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Heft 4/2017 ab dem 9. August 2017 im Handel oder als epaper / app unter:

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Aus dem Inhalt:

Bequem mit Autogas reisen:
Leichte Freude über niedrige Preise

Einzelabgasbescheinigungen:
Nur noch bis 30.09.2017?

Elektroautoland Norwegen:
Eindeutig führend in Europa

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25.09.2018 13:02 Uhr Von  Dr. Martin Steffan

Ganz langsam kommt das Auto teilen in Mode

Das eigene Auto, über Jahrzehnte das wichtigste Statussymbol der Bundesbürger, verliert in digitalen Zeiten zunehmend an Bedeutung. „Was soll ich mit einem Auto, wenn ich nicht weiß, wo ich parken kann und meistens im Stau stehe“, fragt sich eine wachsende Zahl von genervten Zeitgenossen und wechselt zu alternativen Mobilitätskonzepten, ohne dabei allerdings vollständig auf das Automobil zu verzichten.

 

Der aufgeklärte urbane Mensch setzt nicht mehr unbedingt auf Besitzen sondern auf Teilen, wenn er seine individuelle Mobilität genießen will. Dabei wird inzwischen alles geteilt, was irgendwie rollt – vom Fahrrad über den Roller bis zum Automobil sind alle Fortbewegungsmittel im Angebot, und die Automobilhersteller haben diesen Trend beizeiten erkannt und bieten einer wachsenden innovativen Klientel ein vollständiges Angebot. Bei Daimler heißt das Angebot Car2Go und bei BMW DriveNow. Beide stehen davor, zu fusionieren. Volkswagen dagegen wählt einen vollkommen neuen Weg und hat mit MOIA einen Van entwickelt, der sich ausschließlich per App buchen lässt. Nach einem ersten Testlauf in Hannover soll MOIA in diesem Jahr in Hamburg mit 200 Fahrzeugen (ein Ausbau auf 1.000 Vans ist geplant) in den Markt einsteigen. Allerdings erinnert das MOIA-Konzept eher an die klassischen Sammeltaxis. Nicht zu verwechseln ist MOIA mit der Kurzzeitmiete von Volkswagen Financial Services. Bei der dortigen Firma kann man auch für kürzere Zeit ein Auto mieten.

 

„Als car2go in Hamburg startete, war ich direkt der erste Kunde“, erinnert sich der Journalist Walter Hasselbring an seinen Einstieg in die Welt des Autoteilens. „Das ist inzwischen acht Jahre her, und ich habe seitdem ein eigenes Auto nicht vermisst. Was soll ich auch damit anfangen? Ich lebe mitten in Altona, da bringt das eigene Auto mehr Ärger als Nutzen.“ Zusätzlich zum Daimler-Angebot ist Hasselbring auch Kunde beim BMW-Ableger DriveNow und nimmt damit im Kleinen die Verschmelzung der beiden Unternehmen vorweg.

Auf jeden Fall alle Angebote nutzen

Neben Carsharing nutzt Hasselbring auch die Angebote des Öffentlichen Verkehrs oder greift zum Fahrrad, wenn er sich in der Hansestadt bewegt. „Vor jeder Fahrt muss man sich genau überlegen, welches Verkehrsmittel angesagt ist.“ Und wenn er sich in einem der Teilautos fortbewegt, geht es darum, die Autos so schnell wie möglich wieder loszuwerden, um so Geld zu sparen. „Wenn ich zum Flughafen fahren muss, lohnt sich auf jeden Fall Carsharing.“ Besonders geschäftstüchtige Carsharing-Kunden haben sich inzwischen darauf spezialisiert, Fahrzeuge zu übernehmen, die mit fast leerem Tank am Straßenrand stehen. „Wenn man tanken muss, wird man mit 20 Freiminuten belohnt“, so Hasselbring. Die Tankkosten übernimmt das Carsharing-Unternehmen. Die Autos können innerhalb eines bestimmten Bereichs übernommen und danach an einem beliebigen Platz wieder abgestellt werden. Der Fachmann nennt dieses System „Freefloating Carsharing“. Über eine App im Smartphone werden die nächstgelegenen Autos dann geortet. Wer jedoch lieber ein kleines Fahrzeug besitzen möchte, kann auch auf kleine Stadtflitzer wie zum Beispiel den Citroen C-Zero zurückgreifen.

 

Für Walter Hasselbring ist das aber erstmal kein Thema. Er gehört zur klassischen Zielgruppe von Carsharing-Unternehmen. „Die Zielgruppe von car2go ist urban. Denn damit freefloating Carsharing optimal funktioniert, müssen bestimmte Rahmenbedingungen erfüllt sein. Dazu gehören nicht nur die reine Größe einer Stadt, sondern auch die Einwohnerdichte, ÖPNV-System oder ein ausgewogener Quartiermix. Deshalb ist car2go derzeit ausschließlich ein Angebot für größere Metropolen“, erklärt car2go-Sprecher Daniel Hörer.

 

Inzwischen ist das Unternehmen in 26 Standorten weltweit vertreten, wobei in Stuttgart, Amsterdam und Madrid ausschließlich Elektroflotten unterwegs sind. „Von unseren rund 14.000 Fahrzeugen sind inzwischen 10 % elektrisch angetrieben und in Hamburg wird die Smart-Flotte demnächst vollständig auf E-Modelle ausgebaut“, blickt Hörer in die Zukunft.   

Problematisch bleibt allerdings die Ladeinfrastruktur. Was passiert, wenn der Elektrosmart mit schwacher Ladung am Straßenrand steht? „Der Kunde wird damit keine Probleme haben, denn sobald die Ladung auf 25 % sinkt, fliegt das betroffene Modell aus der Flotte und wird von einem unserer Mitarbeiter an die nächste Ladesäule gefahren. Erst wenn die Akkus wieder voll im Saft stehen, kehrt der Wagen wieder in die Flotte zurück“, erklärt Hörer. Auf diese Weise erfüllt Carsharing auch eine Umweltaufgabe und senkt die lokalen Emissionen in den betroffenen Metropolen. Neben den Smart-Modellen bietet Car2Go auch andere Mercedes-Modelle an, denn offensichtlich haben die Verantwortlichen die konstruktionsbedingten Probleme des Zweisitzers erkannt. „Wenn man mit zwei Koffern zum Flughafen muss, wird es im Smart ziemlich eng“, beschreibt Hasselbring seine Erfahrungen.

Carsharing erobert neue Kundengruppe

In den vergangenen Jahren hat sich die Kundschaft deutlich verändert. Waren es am Anfang vor allem junge technikaffine und innovativ ausgerichtete Zeitgenossen, so „ist Carsharing inzwischen in der Mitte der Gesellschaft angekommen. „Unsere Kundschaft erstreckt sich inzwischen vom Studenten bis zum Rentner“, so ein Sprecher von Drive Now. Seit Ende vergangenen Jahres nutzen mehr als eine Million Menschen Drive Now, und die Zahl wächst weiter. Bei Car2Go sind es drei Millionen Menschen, die sich in Europa, Asien und Nordamerika das Auto teilen.

 

Das „heilix Blechle“, seit den Wirtschaftswunderjahren scheinbar unantastbar und fast zum Familienmitglied mutiert, hat in einer zunehmend digitalisierten Umwelt deutlich an Strahlkraft verloren, seitdem eine wachsende Zahl von Menschen bereit ist, mehr für Mobilität und weniger für Image zu zahlen. Als Eintritt in die Welt der geteilten Automobile dienen Apps, mit denen die freien Fahrzeuge lokalisiert und geöffnet werden. Nach dem Abstellen wird dann abgerechnet. „Das funktioniert alles vollkommen problemlos“, fasst Carsharing-Pionier Hasselbring seine Erfahrungen zusammen. Zwar haben die Fahrzeuge einen genau definierten Aktionsradius, der meist den Grenzen der Metropolen entspricht, doch sind auch Überlandfahrten möglich. „Man kann die Nutzungsdauer auch auf 24 Stunden verlängern. Das kostet dann rund 70 Euro“, so Hasselbring.

Am Ende gehört Carsharing allerdings zu einem „Puzzle aus vielen Möglichkeiten, sich in der Stadt fortzubewegen, und nicht selten nehme ich dann doch das Fahrrad, weil es am schnellsten ist“, so Hasselbring.

 

Neben Car2Go und Drive Now bietet auch die Deutsche Bahn ein flächendeckendes Carsharing-Netz. In 400 Städten stehen den Kunden mehr als 4.000 Fahrzeuge zur Verfügung. Insgesamt umfasst das Netzwerk der Bahn 30 Partner-Unternehmen mit mehr als 2.500 Mietstationen. In Zukunft sollen auch verstärkt E-Mobile im Flinkster-Netzwerk angeboten werden. Insgesamt nutzen bereits rund 300.000 Bahnkunden das Angebot.

Carsharing ist vor allem für Zeitgenossen eine Alternative zum eigenen Auto, die, so der Verkehrsclub Deutschland (VCD), „beim täglichen Weg zur Arbeitsstätte nicht auf ein Auto angewiesen sind und nicht mehr als 7.000 Kilometer im Jahr mit dem Auto zurücklegen“.  Vor allem in den großen Metropolen, wo das Automobil kaum noch mobil ist, verzichtet eine wachsende Zahl von Menschen auf das private Auto.

 

„Ich komme ohne Auto gut zurecht“, erklärt zum Beispiel ein Berliner Werbefachmann. „Für längere Strecken miete ich mir ein Auto, und in der Stadt nutze ich die Carsharing-Angebote.“ Der VCD beschreibt den durchschnittlichen Carsharing-Kunden als einen Menschen, „dessen Einstellung zum Auto eher sachlich als emotional geprägt ist“.

Carsharing wird nach den VCD-Beobachtungen auch vom umweltbewussten Zeitgenossen genutzt. Forscher der kalifornischen Universität Berkeley haben in einer ersten wissenschaftlichen Studie untersucht, wie sich Autoteilen auf die Umwelt auswirkt. Drei Jahre lang untersuchten sie, wie sich das Car2Go-Angebot auf das Mobilitätsverhalten der Menschen in den kanadischen Städten Calgary und Vancouver sowie in den amerikanischen Metropolen Seattle, San Diego und Washington D.C. auswirkt.

Tatsächlich stellten die Wissenschaftler fest, dass „Car2Go zu weniger Autos auf den Straßen führt, weniger Meilen im privaten Auto zurückgelegt werden und sich die Treibhausemissionen in den untersuchten Städten verringert haben“, erklärt die Wissenschaftlerin Susan Shaheen. 5 % der Autoteiler schafften als Reaktion auf das neue Mobilitätsangebot sogar ihr privates Fahrzeug ab, und im Durchschnitt verringerte sich die Belastung durch Treibhausgase in den untersuchten Städten um 10 %.

 

Neben dem von Konzernen organisierten Carsharing versucht in Deutschland auch das private Autoteilen Fuß zu fassen. Die Idee dahinter ist simpel. Die meisten der rund 250 Millionen in Europa zugelassenen Automobile mutieren 23 Stunden am Tag zu ungenutzten Stehzeugen. Da wäre es doch sinnvoll, diese Fahrzeuge mit anderen Zeitgenossen zu teilen und am Ende auch einen finanziellen Gewinn für den Besitzer zu erzeugen. Gegen mögliche Schäden sind die Autos von den Vermittlern versichert. Diesen noch jungen überregionalen Markt teilen sich in Deutschland drei Anbieter. Das französische Unternehmen Drivy hat in Deutschland 6.000 Autos im Angebot und rund 200.000 Nutzer. Snappcar aus den Niederlanden, das sich selbst als das „Airbnb für Autos“ bezeichnet und über sein Angebot die Zahl der Automobile in Europa bis zum Jahr 2022 um fünf Millionen verringern will, kommt auf 45.000 Autos und 400.000 Kunden in Europa, und der vorerst letzte Neuzugang auf dem deutschen Markt Turo aus den USA plant, auch dank einer Beteiligung von Daimler, bis Ende des Jahres zum Marktführer aufzusteigen. Selbstbewusst erklärt Turo-Deutschlandchef Marcus Riecke, dass „wir mit unserer Plattform eine ideale Lösung für Reisende und Autobesitzer anbieten können.“ Riecke sieht seine Plattform auch als „wertvolles Werkzeug für Autobesitzer, um die Kosten ihrer Fahrzeuge auszugleichen“, und hofft, dass dies „für Deutsche genauso interessant ist wie für Amerikaner oder Kanadier.“ Weltweit sind aktuell mehr als 200.000 Fahrzeuge und mehr als 850 Marken und Modelle auf der Turo-Plattform gelistet – darunter 9,14 % Elektromodele. Im Durchschnitt vermieten die Anbieter ihre Fahrzeuge für elf Tage im Monat. Die Palette der von den Vermittlern angebotenen Fahrzeuge reicht vom VW-Bus für den längeren Familienausflug bis zum Porsche für die kleine Angeber-Runde mit der neuen Freundin. Die muss ja nicht unbedingt wissen, dass der Sportwagen „nur“ auf Zeit genutzt werden kann.



25.09.2018 13:02 Uhr Von  Dr. Martin Steffan