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Heft 4/2017 ab dem 9. August 2017 im Handel oder als epaper / app unter:

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Aus dem Inhalt:

Bequem mit Autogas reisen:
Leichte Freude über niedrige Preise

Einzelabgasbescheinigungen:
Nur noch bis 30.09.2017?

Elektroautoland Norwegen:
Eindeutig führend in Europa

Premiumpartner

www.uniti-expo.de
GASDRIVE
www.vogelsautogas.nl/de/
Car Gas

 

www.gas-tankstellen.de

Speziell für Gasfahrer

Mit Gas fahren und sparen?
aber nur mit Garantie

Gerhard Kienzle freute sich: Endlich hatte er seinen schon lange geplanten Entschluss umgesetzt: Er hatte in seinen drei Jahre alten Toyota eine Gasanlage einbauen lassen. Die Werkstatt war eine geprüfte und zertifizierte Umrüststation, die Anlage entsprach allen gesetzlichen Vorschriften, sie war ordnungsgemäß vom TÜV abgenommen und vom Straßenverkehrsamt in die Fahrzeugpapiere eingetragen worden. Jetzt konnte das sparsame Fahren beginnen.

Und er freute sich noch mehr, als er nach den ersten größeren Fahrten an der Tankstelle seinen Tank für einen ungewohnt niedrigen Betrag auffüllen konnte. Endlich machte Autofahren wieder Spaß! Doch nach etwa 3000 Kilometern war der Spaß abrupt beendet: Bei einer flotten Autobahnfahrt stieg die Temperaturanzeige plötzlich in den roten Bereich, der Motor begann zu stottern, dann beendet er seine Arbeit endgültig. Was war passiert? Die Diagnose der Werkstatt war eindeutig: Kapitaler Motorschaden durch Überhitzung, Zylinderkopf gerissen, Reparaturkosten inklusive Nebenarbeiten zwischen 1400 und 1600 Euro. Diese Summe hätte ein spürbares Loch in die Haushaltskasse gerissen, wenn nicht – ja, wenn Kienzle nicht gleichzeitig mit dem Einbau der Gasanlage eine entsprechende Garantieversicherung abgeschlossen hätte Er war von seinem Umrüstbetrieb gut beraten und darauf hingewiesen worden.

Viele Autofahrer, die darüber nachdenken, ihr Fahrzeug auf Gasbetrieb um zu stellen, fragen sich: Wie sieht es aus, wenn mein Wagen nach dem Umbau Zicken macht oder vielleicht sogar ernsthaft Schaden nimmt? Hier besteht erheblicher Klärungsbedarf.

Beim Neufahrzeug Garantie vom Hersteller

Ganz einfach ist es für Autofahrer, die einen Neuwagen mit Gasantrieb erwerben. Hierbei gilt es drei Varianten zu unterscheiden: Das Serienfahrzeug, das Werksfahrzeug und die sogenannten OEM-Fahrzeuge (OEM = Original Equipment Manufacturer, also Originalausrüstungshersteller). Bei allen drei Varianten wird das Fahrzeug ab Werk mit der Gasanlage ausgeliefert. Bei vielen Firmen ( Opel, Ford, Volkswagen, Subaru, Lada, Chevrolet) werden die Anlagen nicht im Werk installiert, sondern von Partnerfirmen eingebaut. Wichtig für den Kunden ist auf jeden Fall, dass die Garantie des Neuwagens erhalten bleibt. Der Hersteller übernimmt die Garantie, die dann über den jeweiligen Händler abgewickelt wird.

Wieder andere Hersteller (Fiat, Kia, Mitsubishi, Mazda, Cadillac und auch Opel) lassen die Umrüstung von autorisierten Partnerbetrieben ausführen, wobei auch hier die Herstellergarantie greift.

Nach der Ümrüstung des „Gebrauchten“

Soweit, so gut. Nun kommt allerdings nur der kleinere Teil der Gas-Fahzeuge als Neuwagen auf den Markt, ungleich höher ist die Zahl der Umrüstungen bei Gebrauchtfahrzeugen. Die Zahlen: 2007 wurden 5.400 Neuwagen mit Gasantrieb zugelassen, aber rund 100.000 Gebrauchtwagen auf den sparsamen Treibstoff umgerüstet.
Und hier ist die entscheidende Frage: Wie halten es die Anbieter mit der Garantie bzw. der Gewährleistung?
Hier muss wiederum unterschieden werden zwischen der Garantie beziehungsweise Gewährleistung für die Bauteile und Funktion der Gasanlage und der Garantie für Schäden am Fahrzeug, die durch den Betrieb der Gasanlage verursacht worden sind.

Alle Hersteller von Umrüstungsanlagen garantieren dem Kunden die einwandfreie Funktion der jeweiligen Anlage, und bei Schäden an der Anlage kann der Kunde über seinen Händler oder Umrüstungsbetrieb innerhalb der Garantiezeit eine kostenlose Behebung der aufgetretenen Mängel verlangen.
Anders sieht es aus, wenn die Gasanlage zwar einwandfrei arbeitet, aber durch den Betrieb der Anlage der Motor oder Teile der Abgasanlage in Mitleidenschaft gezogen wurden.

Die Branche hat dieses Problem erkannt und nahezu alle Umrüstbetriebe bieten deshalb eine Versicherung an, die genau diese kritischen Bauteile abdeckt.
In der Praxis sieht das so aus, dass entweder der Umrüstbetrieb dem Kunden eine solche Versicherung anbietet, oder der Autofahrer selbst eine solche Versicherung abschließt..

Manche Anlagen-Einbauer rechnen die Kosten für die Versicherung in die Einbaukalkulation mit ein, andere weisen sie als eigenen Posten in der Rechnung aus. In der Regel schließt der Anlagen-Einbauer diese Versicherung ab, er arbeitet ? flapsig ausgedrückt ? als Erfüllungsgehilfe des Versicherers. Wichtig für den Autofahrer ist letztendlich, welche Summe unterm Strich fällig wird. So arbeitet der deutsche Zavioli-Importeur mit dem Versicherungspartner Allianz-Lloyd Adriatico zusammen, der eine dreijährige Garantie für 105 Euro anbietet. Europspar hingegen bietet die Versicherung der Meneks AG an, Kosten für einen Vierzylindermotor 59 Euro für ein Jahr (99 Euro für zwei Jahre), mehr als vier Zylinder 99 bzw. 149 Euro. Ganz anders die GasDrive Technologies (BRC-Anlagen) in Althengstett. Sie hat als Partner die europ assistance, eine Tochtergesellschaft der Generali Gruppe.

Die versicherten Teile des Fahrzeugs ähneln sich bei allen Gesellschaften, hier als Beispiel der Umfang der German Assistance Versicherung AG.
Diese Versicherung kostet für 12 Monate 110 Euro, eine Verlängerung um jeweils 12 Monate ebenfalls 110 Euro, zweimalige Verlängerung ist möglich. Zusätzlich kann der Kunde
für 14 Euro pro Jahr eine sogenannte Mobiltätshilfe mit umfassenden Leistungen versichern, ganz ähnlich dem Schutzbrief eines Automobilklubs.
Bei europ assistance kann der Fahrzeugbesitzer je nach persönlicher Einschätzung zwischen zwei Varianten wählen: In der Variante „Basic“ ist nur der Motor versichert, in Variante ?Komfort? zusätzlich die Kraftstoff- und die Abgasanlage.

Die Kosten: „Basic” für 12 Monate 69 Euro, für 24 Monate 99 und für 36 Monate 169 Euro. Etwas teurer ist die Tarifversion „Komfort“: 12 Monate 89 Euro, 24 Monate 139 und 36 Monate 199 Euro.
Intec mit nach eigenen Angaben über 7000 versicherten Fahrzeugen im Bestand berechnet für einen Vier- bzw. Sechszylindermotor in der Basis-Variante für die ersten 12 Monate 45 Euro, die Versicherung kann zweimal für jeweils 12 Monate zum gleichen Preis verlängert werden.

Zu möglichen Schäden an versicherten Fahrzeugen sagt Dieter Michel, Vertriebsleiter bei German Assistane: „Die Autogas-Anlagen, die in Deutschland verbaut werden, sind meist in anderen europäischen Ländern - zum Beispiel Holland oder Italien - entwickelt worden. In diesen Ländern wird aber speziell auf den Autobahnen nicht so schnell gefahren wie in Deutschland. Deshalb treten bei Fahrzeugen, die nicht ordnungsgemäß gewartet werden, Schäden häufig bei schnellen Autobahnfahrten auf. Dies sind dann meist teure Motorschäden, und manchmal werden auch andere Teile wie Lambdasonde oder Katalysator in Mitleidenschaft gezogen“.

Kristin Möller von Europspar sagt: „Bei sachgemäßem Einau der Anlage durch geschulte Techniker und vernünftiger Fahrweise treten Schäden äußerst selten auf. Dennoch raten wir jedem Autofahrer zu einer Gas-Garantie-Versicherung. Sie bietet bei vergleichsweise geringen Kosten erhebliche finanzielle Sicherheit, falls doch einmal ein Schaden auftreten sollte“.

Nicht zu vermeiden: Das Kleingedruckte

Alle am Markt tätigen Versicherer sichern sich naturgemäß dagegen ab, dass der Autobesitzer im Vertrauen auf seine Versicherung fährt und fährt und fährt, ohne seinem Fahrzeug – und hier insbesondere dem Motor samt seiner Peripherie – die nötige Aufmerksamkeit in Form von Inspektionen und Wartungsdiensten zu gönnen.
Deshalb ist es wichtig, vor Vertragsabschluss das sogenannte Kleingedruckte aufmerksam zu lesen und zu beachten.
Voraussetzung ist bei jeder Versicherung, dass der Einbau nur durch eine geprüfte und zertifizierte Werkstatt vorgenommen und von einem Sachverständigen (DEKRA, TÜV, KÜS o. ä.) auf Vorschriftsmäßigkeit geprüft wird. Ebenfalls Pflicht ist die Einhaltung der vorgeschriebenen Inspektions- und Wartungsintervalle. Böse Zungen behaupten in diesem Zusammenhang gerne, dass die Garantieversicherung ein Kundenbindungsprogramm der Werkstätten sei. Stimmt auch, aber ein regelmäßiger Werkstattbesuch gibt eben auch Sicherheit und hilft, den Wert des Fahrzeugs zu erhalten. Deshalb sollte jeder Gasfahrer die vom Anlagenhersteller vorgeschriebenen Inspektionsintervalle genau einhalten. So hat stets ein zuverlässiges und sauber laufendes Fahrzeug im Schadenfall gute Karten gegenüber dem Versicherer.

Bei den Leistungen der Versicherer ist zu beachten, dass die Erstattung im Schadenfall mit zunehmender Kilometer-Leistung des Fahrzeugs sinkt, ab einem bestimmten Alter bzw. einer hohen Km-Leistung ist eine Versicherung nicht mehr möglich. Manche Anbieter verlangen auch eine Selbstbeteiligung am Schaden. Eine Regulierung auf Basis eines Kostenvoranschlags (wie z.B. in der Auto-Kaskoversicherung) ist nicht möglich; gezahlt wird nur, wenn auch repariert wird.

Ein wichtiger Ausschluss: Viele Versicherer lehnen es ab, Gewerbetreibende (Taxis, Kurierdienste, aber auch Handwerker) zu versichern. Manche lassen aber mit sich reden, hier ist in einem individuellen Gespräch zu klären, inwieweit eine Versicherung dennoch möglich ist.

Fazit

Eine Gas-Garantie-Versicherung ist eine sinnvolle Ergänzung im Rahmen des Gesamtpaktes „Fahrzeug-Umbau“. Fragen Sie Ihren Ausrüster danach. Wenn Sie den Versicherungsantrag in Händen haben, studieren Sie sorgfältig das Kleingedruckte, wann gezahlt wird, wieviel gezahlt wird und wann eben nicht - damit Sie im Schadenfall keine böse Überraschung erleben. Für Gerhard Kienzle hat sich der Abschluss seiner Police auf jeden Fall gelohnt.

 

Das sagt die Juristin

Dorthee Lambert(Foto), Rechtsexpertin beim AvD:

„Wenn man sich die Frage stellt, welchen Einfluss Umrüstungsarbeiten auf die ?Garantie“ haben, muss man sehr sauber unterscheiden zwischen der Herstellergarantie und der Sachmängelhaftung, auch Gewährleistung genannt: Während es sich bei der Herstellergarantie um ein freiwilliges Versprechen des Herstellers handelt, das er nicht abgeben muss und das er an bestimmte Bedingungen knüpfen kann (zum Beispiel abhängig von regelmäßigen Inspektionen in einer Fachwerkstatt), ist die Sachmängelhaftung eine sich aus dem Gesetz ergebende Pflicht des Händlers bzw. Verkäufers, der er sich nicht entziehen kann.“

Garantiedauer „Dies hat auch Auswirkungen auf die ?Garantiedauer?: Während das Gesetz ganz klar vorschreibt, dass die Sachmängelhaftung bei Neufahrzeugen zwei Jahre andauert und bei gebrauchten Fahrzeugen auf ein Jahr reduziert werden kann ? wovon in der Regel auch Gebrauch gemacht wird ? hängt die Dauer der Herstellergarantie vom Willen des Herstellers uns seinem abgegeben Garantieversprechen ab.“

Beweislast

„Grundsätzlich hat man in der Gewährleistungszeit einen Anspruch gegen den Händler auf Mängelbeseitigung. Dies jedoch eigentlich nur dann, wenn der Nachweis erbracht werden kann, dass das Fahrzeug bereits zum Zeitpunkt der Übergabe mangelhaft war. Dieser Beweis wird in der Praxis natürlich kaum zu erbringen sein, weshalb der Gesetzgeber den Käufer insoweit schützt, als er eine gesetzliche Regelung aufgenommen hat, die besagt, dass sofern sich der Mangel innerhalb von 6 Monaten nach Übergabe zeigt, einfach vermutet wird, dass das Fahrzeug bereits bei Übergabe mangelhaft war. Insofern ist der Käufer diesbezüglich in den ersten 6 Monaten nicht beweispflichtig.“

Probleme nach Umrüstungsarbeiten

„Etwas verzwickt ist die Lage jedoch, wenn sich der Mangel zwar innerhalb der ersten 6 Monate nach Kauf zeigt, jedoch zwischenzeitlich Umrüstungsarbeiten am Fahrzeug durchgeführt worden sind. Die gesetzliche Vermutung, dass der Mangel bereits bei Übergabe des Fahrzeugs vorhanden war, kann der Verkäufer hier recht leicht angreifen, indem er unterstellt, dass der Mangel mit den Umrüstungsarbeiten zumindest in Verbindung steht. Dies kann vom Käufer zwar dann recht einfach entkräftet werden, wenn zwischen den Umrüstungsarbeiten und dem Mangel offensichtlich kein Zusammenhang besteht; dies ist z. B. der Fall, wenn ein Gasanlage in das Fahrzeug eingebaut wurde und sich ein Mangel am Stoßdämpfer zeigt. Problematisch ist es jedoch dann, wenn ein Zusammenhang zumindest möglich ist; denn in diesem Fall wäre der Käufer dafür beweispflichtig, dass eben kein Zusammenhang zwischen der Umrüstung und dem jetzt vorhandenen Mangel besteht.“

Garantieversicherer im Internet

Diese Gesellschaften bieten Garantieversicherungen für Gasfahrzeuge an*

www.cargarantie.de

www.europ-assistance.de

www.german-assistance.de

www.intec-garantie.de

www.meneks.de

www.multipart.de

www.progarant.de

www.realgarant.de

 

*Angaben ohne Gewähr und ohne Anspruch auf Vollständigkeit

 

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